Erste private amerikanische Raumfahrtmission ist ein Erfolg - Kapsel Dragon hat an ISS angedockt
Es ist ein Meilenstein für die amerikanische Raumfahrt. Erstmals hat mit der Kapsel Dragon des Unternehmens Space X ein privat finanziertes Raumfahrzeug an die internationale Raumstation ISS angedockt. Nun werden bemannte Flüge geplant.
Von John Dyer, Boston
Es waren atemberaubende Bilder, die von der internationalen Raumstation ISS in die Welt hinausgingen. Der 17 Meter lange Greifarm der Station fing die Raumkapsel Dragon (Drache) präzise ein. Das Manöver wurde durch technische Probleme zwar etwas verzögert, letztlich klappte aber alles nach Plan. Der Flug des ersten privaten amerikanischen Raumschiffes markiert einen Neuanfang in der Eroberung des Weltraums. Nach Einstellung des Spaceshuttle-Programms verfügte die Raumfahrtbehörde NASA über keine eigene Transportmöglichkeit ins All. Doch durch den Erfolg von Dragon haben Weltraumenthusiasten wieder neue Hoffnung.
Beginn einer neuen Ära
Auch John Holdren, wissenschaftlicher Berater von Präsident Barack Obama, konnte sich der Faszination nicht entziehen. Nach dem Start sagte er: „Es ist immer aufregend, wenn ein Flugkörper ins All startet. Aber dieses Mal ist es etwas ganz besonderes, da dies der Beginn einer neuen Ära sein könnte.” Die Kapsel des Unternehmens Space Exploration Technologies (SpaceX) startete am Dienstag von Cape Canaveral aus zu seinem Flug zur Raumstation ISS. Von einer Falcon-9-Rakete wurde der Drache in den Raum befördert. An Bord hatte die unbemannte Kapsel Nachschub für die sechs Astronauten an Bord der ISS: Kleidung, Essen und Material für Experimente. Allesamt nicht lebensnotwendig, ein Scheitern des Fluges wäre sonst folgenschwer gewesen.
Scotty wurde ins All gebeamt
Darüber hinaus wurden auch die eingeäscherten Überreste von 300 Menschen ins All transportiert und dort freigesetzt. 3.000 Dollar (2.400 Euro/2.900 Franken) mussten die Familien der Verstorbenen dafür bezahlen. Neben der Asche des Astronauten Gordon Cooper befinden sich nun auch die Überreste des Schauspielers James Doohan im Weltraum. Doohan hatte in Raumschiff Enterprise den Ingenieur Scotty verkörpert. Dieser Transport ging auf ein Abkommen zwischen SpaceX und der texanischen Firma Celestis zurück. Robin Smith, die Tochter des langjährigen NASA-Mitarbeiters Bob Shrake, war nach dem Start bewegt. Beim Gedanken, dass sich die Überreste ihres Vaters nun außerhalb der Atmosphäre befinden, „dachte ich, er ist jetzt wirklich im Himmel, gemeinsam mit den Ergebnissen seiner Arbeit.” Die Dragon-Kapsel ist wieder verwendbar. In zwei Wochen wird sie mit Abfällen von der Station zur Erde zurück kehren und im Pazifik landen. Das Andockmanöver wurde mit Hilfe des 17 Meter langen Greifarmes des ISS durchgeführt. Überwacht wurde die Aktion von der NASA. Die Zusammenarbeit zwischen der staatlichen Behörde und der privaten Firma gilt als Durchbruch. Der Politikwissenschaftler Professor John Logsdon aus Washington sprach von einem Meilenstein.
Bemannte Flüge sollen folgen
Bereits am Donnerstag war die Dragon in das Sichtfeld der ISS geraten. Daraufhin wurde eine Reihe von Tests durchgeführt, die allesamt funktionierten. Die Kapsel stellte damit ihre Navigierfähigkeit unter Beweis und auch die Steuerung funktionierte einwandfrei. Der leitende Direktor bei SpaceX, John Colouris, war zufrieden: „Wir haben bewiesen, dass die Kapsel in unmittelbarer Nähe der ISS navigierbar ist.” Die Einbeziehung eines privaten Unternehmens war aufgrund des Kostendrucks notwendig geworden. Die NASA erhält mit 17,5 Milliarden Dollar aktuell weniger Geld als 1987. Daher war auch das Spaceshuttle-Programm eingestellt worden. Für Transporte ins All waren die Amerikaner auf russische Raketen angewiesen. SpaceX hat mit der NASA einen Vertrag über 1,6 Milliarden Dollar abgeschlossen, der 12 Frachttransporte zur ISS vorsieht. Darüber hinaus plant die NASA auch den Transport von Astronauten durch eine private Firma. Der Gründer von SpaceX, Elon Musk, war entsprechend aufgeregt: „Alles hätte schief gehen können, aber es hat alles geklappt.” Als Präsident Obama ihn anrief, um zu gratulieren, wollte er gar nicht ans Telefon gehen. Die Nummer des Präsidenten war unterdrückt, so dass Musk an Telefonmarketing dachte.