United Airlines als größte Fluglinie der Welt bestellt 150 Flugzeuge bei Boeing - Mittlerer Osten pausiert als Markt für Passagierflugzeuge
Im Wettbewerb um Aufträge gelingt Boeing gegen seinen Konkurrenten Airbus ein Punktsieg. United Airlines bestellt beim amerikanischen Hersteller 150 Flugzeuge. Airbus hat das Nachsehen und verliert an Boden. Die Zukunft sieht für beide allerdings nicht rosig aus.
Von John Dyer, Boston
Die schlechten Nachrichten für Airbus kommen aus den USA. Die Luftfahrtindustrie hielt zwar soeben ihr alljährliches Branchentreffen im englischen Farnborough ab, die Schlagzeilen bestimmte jedoch eine Meldung aus Chicago. Boeing gab bekannt, dass es von der amerikanischen Fluglinie United Airlines eine Großbestellung erhalten habe. Diese soll helfen, verlorenen Boden gegenüber dem Konkurrenten Airbus wettzumachen.
Boeing sticht A320 aus
United Airlines bestellt bei Boeing Flugzeuge im Gesamtwert von 14,7 Milliarden Dollar (12 Milliarden Euro/14,4 Milliarden Franken). Gleich 100 Modelle der Boeing 737 MAX 9 und 50 Flugzeuge vom Typ 737-900ER. Der Auftrag stellt den größten Teil der Aufträge im Wert von 37 Milliarden Dollar dar, die Boeing während der Luftfahrtmesse erhalten hat. Die Boeing 737 MAX 9 werden bis 2018 fertig gestellt, die 737-900ER schon bis Ende des kommenden Jahres.
Airbus konnte im Rahmen der Messe lediglich Aufträge im Rahmen von 16,9 Milliarden Dollar festzurren, bestellt wurden 115 Flugzeuge. Anhand der Auftragsvolumen lassen sich auch die Preise erkennen, die Großabnehmer zu zahlen haben. Die Listenpreise liegen jedenfalls deutlich höher. „United und Boeing arbeiten schon lange zusammen. Wir sind froh, dass sich United für die 737 als Bestandteil ihre zukünftigen Flotten entschieden hat. Damit werden wir auch in den kommenden Jahrzehnten miteinander arbeiten”, freute sich Ray Conner, Chef für Zivilflugzeuge bei Boeing. Er ergänzte, dass Boeing nun bereits mehr als 10.000 Aufträge für Maschinen aus der 737-Reihe erhalten habe. Diese ist das Gegenstück zum Airbus A320. Damit war Airbus noch im vergangenen Jahr sehr erfolgreich und konnte Aufträge im Wert von 72 Milliarden Dollar einheimsen. Boeing hingegen erreichte lediglich Verkäufe im Rahmen von 22 Milliarden Dollar. Durch den United-Auftrag konnte Boeing nun verlorenen Boden wieder gut machen.
Airbus gibt sich optimistisch
Sowohl Boeing als auch Airbus leiden momentan unter den Folgen der Wirtschaftskrise. Insbesondere unter den gekürzten Verteidigungshaushalten. Zudem gerieten beide Unternehmen mit der Präsentation neuer Modelle in erheblichen Zeitrückstand. Nicht zuletzt aufgrund der steigenden technischen Anforderungen. Airbus-Chef Fabrice Bregier zeigte sich trotzdem zufrieden. „Unsere in Farnborough getätigten Abschlüsse sind von hoher Qualität. Unsere Kunden zeigen uns damit, dass sie mit der kontinuierlichen Entwicklung und Verbesserung unserer Produkte zufrieden sind.” Boeing möchte mit der Produktlinie 737 die erfolgreichen, aber veralteten 757-Maschinen ersetzen. Beide haben einen schmalen Rumpf und bieten Platz für 200 Passagiere. Allerdings haben die 737 lediglich eine Reichweite von 5.900 Kilometern, die 757 können 1.300 Kilometer weiter fliegen. Der Konkurrent Airbus A320 bietet etwas weniger Platz, bringt es aber auf dieselbe Reichweite wie die 737.
Treibstoffausgaben stehen im Fokus
United-Chef Jeff Smisek sagte, die Bestellung der neuen, effizienten Flugzeuge würde helfen, Kosten zu sparen. Insbesondere beim Sprit, wo Fluglinien mit großen Schwankungen zu kämpfen haben. „In unseren Gesprächen mit beiden Anbietern war es uns wichtig, das beste Flugzeug mit dem besten Motor und dem besten Preis zu erhalten”, sagte Smisek. „Wir freuen uns, unseren Fluggästen das modernste Boeing-Flugzeug anbieten zu können und sie von dessen Zuverlässigkeit profitieren zu lassen. Außerdem machen wir unsere Flotte umweltfreundlicher und im Hinblick auf die Treibstoffausgaben effizienter.” Seit der Fusion mit Continental Airlines im Jahr 2010 ist United die größte Fluglinie der Welt. Im vergangenen Jahr wurden mehr als zwei Millionen Flüge durchgeführt und 142 Millionen Passagiere transportiert.
Mittlerer Osten fällt als Markt weg
Experten bezeichneten die Messe in Farnborough als farblos im Vergleich zum Vorjahr. Dies liegt in erster Linie daran, dass viele Länder im Mittleren Osten bereits relativ neue Maschinen besitzen oder bestellt haben. Sowohl Boeing als auch Airbus sind mit der Auslieferung derart im Rückstand, dass auch sie noch für die kommenden zehn Jahre Aufträge zu erfüllen haben. „Bei den neuen Märkten ist so langsam die Luft raus. Der Mittlere Osten war überhaupt nicht vertreten”, erklärte Analyst Richard Aboulafia von der Teal Group. „Die Produzenten waren zuletzt von deren großen Aufträgen regelrecht abhängig. Aber diese bleiben nun aus.” Der Chef von Qatar Airways, Akbar al-Baker, bestätigte diese Einschätzung: „Wir haben nichts bestellt, weil wir nichts brauchen.”