Nano-Kundgebung mit Puppen wurde von Polizei in Russland aufgelöst – Grossdemonstration in Moskau kann stattfinden
In der Hauptstadt der ostsibirischen Altairegion Barnaul hat die russische Polizei Mickymaus, und andere Kunstfiguren als Teilnehmer einer „nicht genehmigten“ Kundgebung verhaftet. In Moskau dagegen kann die Demonstration der Opposition am 4. Februar nun doch stattfinden.
Von Axel Eichholz, Moskau
In der Hauptstadt der ostsibirischen Altairegion Barnaul hat die russische Polizei Mickymaus, Schneewittchen und andere Märchenfiguren wegen der Teilnahme an einer „nicht sanktionierten“ Kundgebung verhaftet. Oppositionelle, die verzweifelt versucht hatten, eine Protestaktion gegen Wahlfälschungen genehmigt zu bekommen, stellten Puppen und Figuren aus dem Lego-Baukasten und Kindersurprise-Eiern im Schneehaufen am 7. und 14. Januar vor dem örtlichen Dramentheater zu einer „Nano-Kundgebung“ auf. Die Puppen hielten Plakate mit der Forderung nach ehrlichen Präsidentenwahlen und Wladimir Putins Rücktritt in den Händchen. Die ungewöhnliche, witzige Show versammelte eine lachende Menge auf dem Hauptplatz der Stadt.
Puppen „eingekastelt“
„Die Behörden beschränken unser vom Grundgesetz garantiertes Recht auf friedliche Demonstrationen, sie können aber die Rechte der Spielzeuge nicht beschneiden“, sagte einer der oppositionellen Aktivisten, Andrej Teslenko, der lokalen Nachrichtenagentur PolitSibRu. Im Dezember wurden er und seine Gesinnungsgenossen auf eben diesem Platz von Polizei verprügelt und zu je 15 Tagen Arrest verurteilt. Teslenko hatte sich aber geirrt. Die protestierenden Puppen wurden buchstäblich „eingekastelt“. Sie wurden in eine große Pappkiste geworfen und kamen unter Verschluss auf der nahen Polizeistation.
Polizeigeneral will „Hintermännern“ an den Kragen
Sie durften nicht einmal an einer ihnen gewidmeten Pressekonferenz im Polizeipräsidium der Stadt teilnehmen. Der Vizepolizeichef von Barnaul Andrej Mulinzew sagte vor Journalisten, er habe aus diesem Anlass eine Anfrage an die Staatsanwaltschaft mit der Bitte um Aufklärung geschickt. Er will nicht die aufsässigen Puppen selbst, sondern deren „Hintermänner“ gerichtlich belangen. Eine Stellungnahme der Staatsanwälte werde noch diese Woche erwartet, heißt es. „Nach unserer Meinung war es doch eine nicht sanktionierte und deshalb strafbare öffentliche Veranstaltung“ erklärte der General. Die Nano-Kundgebung sei protokolliert und die Veranstalter seien identifiziert worden. Wenn die Antwort der Staatsanwaltschaft vorliege, werde über das weitere Vorgehen entschieden, so Mulinzew.
Großdemo in Moskau findet nun doch statt
Derweil setzen sich Mickymaus‘ ausgewachsene, richtige Oppositionskollegen in Moskau durch. Bei einer Krisensitzung mit Vertretern der städtischen Behörden in der Nacht zum Donnerstag bekamen sie eine Zusage für einen Straßenzug am 4. Februar im Moskauer Stadtkern. Nach der „endgültigen“ Absage vom Dienstag ist der Kreml nun doch noch umgefallen. Die Opposition machte auch ein Zugeständnis. Ihre Kolonne wird nicht wie ursprünglich geplant durch den die Innenstadt eingrenzenden Gartenring ziehen. Demo-Teilnehmer versammeln auf dem Oktoberplatz am Anfang des Leninski Prospekts und marschieren etwa zwei Kilometer weit zum Bolotnaja Platz, wo die erste Protestkundgebung am 10. Dezember vorigen Jahres stattgefunden hatte. Die Veranstalter rechnen trotz klirrender Kälte mit mindestens 50.000 Teilnehmern. Gut 20.000 haben sich bereits im Internet angemeldet.