NORWEGEN: Norwegian greift nach den Sternen

Norwegische Fluggesellschaft Norwegian bestellt 222 neue Flugzeuge – Aggressive Taktik soll auch beim Konkurrenten SAS Eindruck machen

Wenn im Erdölland Norwegen eine Fluggesellschaft einkauft, dann richtig: Norwegian will nicht weniger als 222 Flugzeuge beschaffen und jagt damit dem Konkurrenten SAS Angst ein. Kritiker sprechen von Größenwahn, doch Norwegians Wachstumsraten überzeugen. 

Von Thomas Hug, Oslo

Als die die norwegischen Airline Norwegian Air Shuttle, oder kurz Norwegian, am Mittwoch ankündigte, sie wolle für 127 Milliarden Kronen (16,6 Milliarden Euro / 20 Milliarden Franken) 222 neue Flugzeuge kaufen, glaubte man erst, es handle sich bei dieser Zahl im einen Druckfehler eines übereifrigen Norwegian-Pressechefs. Bald zeigte sich aber, dass es Norwegian-Chef Björn Kjos durchaus ernst meinte. Er will  tatsächlich 122 neue Flugzeuge von Boeing kaufen, davon hundert des neuen Typs 737-MAX8. Aber auch die europäische Flugindustrie wird berücksichtigt, denn Norwegian beschafft  gleichzeitig auch hundert neue A320Neo von Airbus.

Abenteuerliches Wachstum in der Luft

„Das ist ein historischer Tag für Norwegian, das ist die größte Bestellung, die eine europäische Fluggesellschaft je getätigt hat. Wir haben die Erneuerung der Flotte für viele Jahre sichern können und mit den Abkommen bei Airbus und Boeing sehr gute Bedingungen erhalten“, sagte ein zufrieden lächelnder Björn Kjos bei der Präsentation des Großauftrages. Den Rest des Tages musste Kjos sich gegen Beschuldigungen wehren, er sei größenwahnsinnig geworden. Dieser verteidigte sich, das hätte man auch 2007 behauptet, als Norwegian 42 Boeing 737-800 bestellt hatte. „In Wirklichkeit hätten wir 84 solche Flugzeuge bestellen sollen“, sagte Kjos.
In der  Tat wächst die norwegische Billigfluggesellschaft mit einer abenteuerlichen Geschwindigkeit. Die Gesellschaft, die im September 2002 ihren ersten Routenflug nach Tromsö durchführte, flog bereits 2005 Gewinn ein. 2010 hatte die Gesellschaft eine Flotte von 53 Flugzeugen, bediente zahlreiche In- und Auslandrouten und konnte auf einen Umsatz von 8,5 Milliarden norwegischen Kronen verweisen. Nächstes Jahr will Norwegian mit Überseerouten unter anderem nach Bangkok und New York starten.

Taktik gilt als aggressiv

Norwegian hatte als belächelter „kleiner Bruder“ im skandinavischen Flugmarkt begonnen. Doch momentan ist man dabei, dem „großen Bruder“, dem halbstaatlichen Unternehmen Scandinavian Airline Systems (SAS), den Rang abzulaufen. Die  teilweise von den Staaten Schweden, Norwegen und Dänemark getragene SAS hat große Schwierigkeiten, sich dem Preisniveau von Norwegian anzupassen und leidet unter den Beschränkungen des skandinavischen halbstaatlichen Status.
Analysten meinen, Norwegian-Chef Björn Kjos wolle SAS mit der Flottenerweiterung an den Kragen gehen. Eine SAS-Quelle soll der norwegische Zeitung „Aftenposten“ zugetragen haben, dort denke man, der Kauf sei unglaublich aggressiv und ziele drauf ab, SAS zu „brechen“. Andere Luftfahrts-Analysten sind gar der Meinung, nicht nur SAS sondern auch andere Billigflieger wie Easy-Jet oder Ryanair müssten sich auf Kurzstrecken vor dem aggressiven norwegischen Billigflieger langsam in Acht nehmen.

Norwegian schafft tausende Arbeitsplätze

Obwohl Norwegian die Flugzeuge über einen längere Zeitperiode beschaffen und ältere Flugzeuge verkaufen und vermieten will, werde die Fluggesellschaft ihre Flotte bald auf über hundert verdoppeln. Norwegian-Chef Björn Kjos sagte am Mittwoche auch, seine Gesellschaft müsste in den nächsten Jahren über 5.000 neue Mitarbeitende einstellen.

Donnerstag, 26.01.2012