Die Ratingagentur Moody´s stuft Italien um zwei Stufen ab - EU sorgt sich wegen Rückkehr von Berlusconi
Die Ratingagentur Moody´s hat Italien in seiner Bonität von A3 auf Baa2 herabgestuft. Das politische Klima im Lande sei eine Gefahr. Die EU sorgt sich derweil um Silvio Berlusconi. Die Möglichkeit, dass er zurückkehren könnte, sei einer Stabilisierung des Landes abträglich.
Von Wolf H. Wagner, Florenz
Italien hat nur noch Ramschniveau. Zu diesem Schluss kam die US-amerikanische Ratingagentur Moody´s. Sie stufte das Land in seiner Bonität von A3 auf die Stufe Baa2 herab. Zwar hätten der Wirtschaftsplan des Chefs der technischen Regierung, Mario Monti, und die dabei ergriffenen Sparmaßnahmen die richtige Richtung, räumte Moody´s ein. Doch ließe es sich bei der hohen Staatsverschuldung und der anhaltenden Krise nicht erkennen, dass auch Effekte erzielt würden. Die instabile politische Lage im Lande erhöhe ebenfalls nicht das Vertrauen, dass Italien sich aus der Rezession lösen könne. Eher sei zu erwarten, dass das Land dem Kurs von Griechenland und Spanien folgen würde. Moody´s sprach direkt von einer „Ansteckungsgefahr”.
EU sorgt sich wegen Berlusconi
Ähnlich wie Moody´s reagierten auch politische Spitzen aus Brüssel. Man betrachte mit Sorge, dass sich der ehemalige Premier Silvio Berlusconi anschicke, wieder ins Rampenlicht der politischen Bühne zurückzukehren. Der Cavaliere hatte erst vor zwei Tagen unter Assistenz des derzeitigen Chefs von Popolo della Liberta, dem früheren Justizminister Angelino Alfano, erklärt, er wolle das Amt des Ministerpräsidenten wieder einnehmen. Die Industrie hätte solches von ihm gefordert, erklärte Berlusconi. Und als wolle er die Bewertung von Moody´s unterstreichen, musste der italienische Zentralbankchef Ignazio Visco bereits am Mittwoch erklären, das Bruttosozialprodukt werde um zwei Prozent sinken. Einen Tag später korrigierte er bereits diese Aussage und verschärfte sie: Man müsse wohl eher mit einem Minus von 2,4 Prozent rechnen. Regierungschef Mario Monti dagegen hatte Wachstum versprochen.
Minister spricht von irreführender Einstufung
Ungeachtet der negativen Zahlen beeilte man sich in der römischen Administration, die Herabstufung zu kritisieren. Der Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Corrado Passera, bezeichnete die Einstufung als „irreführend und ungerecht”, weil sie nicht berücksichtige, welch gewaltige Anstrengungen das Land unternehme. Man habe „gute Ergebnisse in der Verwaltung der öffentlichen Konten” erzielt und stehe vor schwierigen Strukturreformen. Die Märkte, so Passera, würden diese Entwicklung aufmerksam verfolgen, aber Italien auch den notwendigen Zeitrahmen lassen. Auch der Chef des Unternehmerdachverbandes Confindustria, Giorgio Squinzi, wehrte sich gegen die neuerliche Herabstufung. „Unsere Industrie ist wesentlich stärker, als sie nach der Bewertung von Moody´s erscheint”, erklärte der Unternehmerchef.
Märkte reagieren gelassen
Kritischer äußerte sich Francesco Boccia, Vertreter der Demokratischen Partei in der Parlamentarischen Wirtschaftskommission: „Wenn ein Land wie Italien solche Belastungen auf sich nimmt, wie sie von der EU vorgesehen sind, und eine Agentur das Land dennoch herabstuft, ohne dass die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde oder die nationale Börsenaufsicht reagiert, sind deutliche Worte der italienischen und europäischen Politiker gefragt”. Blieben diese aus, so zeige es, dass die Politik nicht länger Beherrscher der Prozesse sei, so Boccia.
Die Märkte reagierten nach anfänglichem Schreck gelassen: Nach einem Minus von 0,7 erholte sich Mailand und die übrigen europäischen Plätze. Bedenklich blieb der Zinsunterschied zwischen Bundesanleihen und italienischen Staatspapieren, der auf kritische 482 Punkte anstieg.