Luca de Montezemolo will mit Italia Futura alte Strukturen aufbrechen - Gerüchte um Berlusconi-Rückkehr
Nach dem Vorbild des Satirikers Beppo Grillo möchte auch Ferrari-Präsident Luca de Montezemolo die italienische Politik verändern. In seiner Bewegung „Italia Futura” sollen Fachleute das Sagen haben. Indes macht auch Silvio Berlusconi wieder von sich reden.
Von Wolf H. Wagner, Florenz
Kaum sind die Kommunalwahlen 2012 vorüber, tritt Italien in den Wahlkampf um die Parlamentssitze an. Während sich die alten Parteien der zweiten Republik ob ihrer verheerenden Wahlschlappe noch die Wunden lecken, tritt eine neue Politgeneration an, die Geschicke des Landes steuern zu wollen.
Grillo dient als Vorbild
Nach der gerade erfolgreichen „Bewegung 5 Sterne” - einer eher links einzuordnenden Bürgerbewegung unter Führung des Satirikers Beppe Grillo - will nun auch das Bürgertum seine eigene, von den traditionellen Parteien unterschiedene Bewegung formieren.
Italia Futura heißt die Kreation des früheren Chefs des Unternehmerverbandes Confindustria, Luca Cordero de Montezemolo. Montezemolo, ehemaliger Geschäftsführer von Fiat und noch heute Präsident von Ferrari, ist ein Mann der großen Industrie. Der im August 65 Jahre alt werdende Manager ist ein Mann der Tat, doch auch ein Mann der Visionen. Seit langem lag Montezemolo im Clinch mit der Berlusconi-Administration und vor allem auch mit dem Cavaliere und seiner lässigen Vorstellung von Landesführung insbesondere. In seiner Denkfabrik namens Italia Futura (Zukunft Italiens) versammelte Montezemolo führende Wirtschafts- und Finanzwissenschaftler, die über eine Alternative zum 20 Jahre andauernden Berlusconismus suchten.
Montezemolo will neue Strukturen
Nun will der Ferrari-Präsident mit einer Liste gleichen Namens zu den Parlamentswahlen antreten. Es gelte, die alten Strukturen zu überwinden, so Montezemolo. Weder Popolo della Liberta Berlusconis noch der sozialdemokratische ausgerichtete Partito Democratico Luigi Bersanis könnten die anstehenden Probleme des Landes lösen. Auch der so genannte Dritte Pol - die Zentrumspartei Udc, Futuro e Liberta (Fini) und die Alleanza per Italia - hätte nicht die entsprechenden Antworten. Der Sieg von „5 Stelle” und die große Abstinenz des Wahlvolkes habe gezeigt, dass die Bürger enttäuscht sind von dieser zweiten Republik. Dies, so Montezemolo, eröffne Raum für neue politische Kräfte. Anhänger von Italia Futura hätten bereits jetzt bei den Kommunalwahlen auf Bürgerlisten gut abgeschnitten. Nun gelte es, die Kräfte zu bündeln. Montezemolo denkt daran, das enttäuschte Wählerpotential der Pdl, die bei den jüngsten Wahlen katastrophal eingebrochen war, ebenso zu binden, wie jene aus dem sozialdemokratischen Spektrum und aus dem politischen Zentrum. Nach Meinung Montezemolos sei die Einteilung der politischen Kräfte in „rechts” und „links” eine „überholte Angelegenheit des zwanzigsten Jahrhunderts”. Man wolle dabei aber keine Allianzen mit den bisher existierenden Parteien eingehen. Die Liste „Italia Futura” soll ein Programm sein, ein Programm dafür, dass man die Strukturen der ersten und zweiten italienischen Republik überwinden wolle. Es sei Zeit, dass die Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft und Finanzen auch die politische Macht ausübten.
Spekulationen um Rückkehr von Berlusconi
Spekulationen, er selbst wolle an der Spitze kandidieren wies Montezemolo noch zurück. Er denke an einen jüngeren, unkonventionellen Vertreter, erklärte der Italia-Futura-Führer. Wen er da im Auge habe, erklärte er jedoch nicht. Klar ist, dass niemand aus der jetzigen Monti-Administration in der Liste vertreten sein wird, nicht einmal Corrado Passera, der jetzige Minister für wirtschaftliche Entwicklung, der Montezemolo nahe steht. Während sich die Mitte-Links-Opposition - Pd und Idv - abwartend verhält, ging die bisherige Regierungspartei in die Offensive: Berlusconi und sein ehemaliger Justizminister und jetziger Parteisekretär Angelino Alfano eröffneten auf einer Pressekonferenz am Freitagvormittag, sie wollen eine „Föderation für Italien” gründen, die eine umfassende Reform des Staates vornehmen werde. Man denke an eine Präsidialrepublik à la Paris, wobei sich Berlusconi hinter vorgehaltener Hand gut vorstellen könne, den Präsidenten darzustellen. Eine Vision, die die Mehrheit der Italiener wohl mit Schrecken erfüllen sollte.