Kaffee schützt gegen zahlreiche Krankheiten - Dennoch maßvoller Genuss empfohlen
Kaffee ist besser als sein Ruf. Das Lieblingsgetränk vieler Mitteleuropäer schützt gegen Krankheiten aller Art. Es hilft sogar denen, die nicht schlagen können. Vier Tassen sind besser als zwei. Aber maßvoll sollte er dennoch genossen werden.
Von Roland Mischke
Das Münchner Kaffeehaus Tambosi am Odeonsplatz gibt es seit bald 240 Jahren. Anno 1775 eröffnete es als „Caffeeplämperer”, 1810 übernahm es Luigi Tambosi aus Trient. Über Generationen wird dort Kaffee ausgeschenkt, heute werden zwei Tonnen Bohnen pro Jahr verbraucht. Aber das begehrte Heißgetränk muss immer neu definiert werden, denn der Gast will neben Kontinuität auch Abwechslung. Die Karte listet etwa Ristretto macchiato, Cappo Luigi und Café Creme auf. Seit einigen Wochen ist der Grand-Cru-Kaffee letzter Schrei, ein reinsortiger, biozertifizierter Hochlandkaffee, der auf einem Tablett in der italienischen Presskanne serviert wird. „Das sorgt im Vergleich zum üblichen Kaffee für ein völlig anderes Geschmacksspektrum”, erklärt Eigentümer Frank Waldecker. „In der Kanne zieht der Kaffee mit grobem Mahlgut drei bis vier Minuten, so entfalten sich die Aromen auf besondere Weise.” Zum Mitnehmen gibt es den Kaffee nicht. Die Betreiber glauben, man solle sich für einen guten Kaffee hinsetzen und ein Zeit nehmen.
Zwei Tassen pro Tag empfohlen
160 Liter Kaffee trinkt der Deutsche pro Jahr, nur US-Amerikaner schlürfen etwas mehr. Bis vor kurzem galt zu viel als ungesund. Inzwischen kommen internationale Studien auf ein anderes Ergebnis: Kaffee ist gesund. Bei seinem Genuss wird die Bauchspeicheldrüse angeregt, Insulin zu produzieren. Die löslichen Ballaststoffe im Kaffee unterstützen die Magen- und Darmtätigkeit, der verdauungsfördernde Effekt von Koffein ist erwiesen. Koffein verbessert auch Wahrnehmung und geistige Leistung, regt Herz, Stoffwechsel und Atmung an und führt bei Menschen mit Bluthochdruck nicht zu weiterer Erhöhung. Deshalb empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung neuerdings, zwei Tassen Kaffee pro Tag zu trinken.
Mehr Kaffee schützt besser
Epidemiologische Studien weisen sogar darauf hin, dass mäßiger, aber regelmäßiger Kaffeegenuss vor chronischen Krankheiten wie Diabetes, Leberleiden oder Parkinson schützen kann. Kanadische und US-Forscher untersuchten über mehrere Jahre hinweg 45.000 Männer, die älter als 40 Jahre waren. Jene, die vier bis fünf Tassen pro Tag tranken, reduzierten ihr Risiko, an Gicht zu erkranken, um 40 Prozent, bei sechs Tassen gar um fast 60 Prozent. Verantwortlich dafür sind im Kaffee enthaltene Antioxidantien. Den Chlorogensäuren des Kaffees sagen Wissenschaftler nach, dass sie einen Schutz vor allem gegen Diabetes darstellten. Kaffee enthält auch die Spurenelemente Kalium, Kalzium, Magnesium und Phosphor. Zudem besitzt das Bohnengetränk stickstoffhaltige Anteile, so genannte Alkaloide. Dazu gehört die Nikotinsäure, auch Vitamin B genannt. Tränke ein Erwachsener am Tag zehn Tassen Kaffee, hätte er damit seinen Bedarf gedeckt.
Koffein regt Stoffwechsel an
Koffein ist der am meisten erforschte Kaffeeinhaltsstoff. Sein anregender oder Wacheffekt rührt daher, das es direkt auf das Hirn wirkt. Es sickert durch die Blockade ermatteter Nervenrezeptoren und wirkt einige Zeit der Müdigkeit entgegen. Koffein verkürzt die Reaktionszeit und regt Stoffwechsel, Herz und Atmung an. Zuviel Koffein kann zum Blutdruckanstieg führen. Sehr wahrscheinlich ist Koffein daran beteiligt, dass Kaffee die Leber vor Schäden durch Alkohol schützt. Das Risiko für eine alkoholbedingte Leberzirrhose soll bereits bei einer Tasse Kaffee am Tag um 20 Prozent, bei mehr als drei Tassen um 80 Prozent sinken.
In Verbindung mit Alkohol macht er träge
Doch Kaffee kann auch träge, unkonzentriert, müde und traurig machen. Das trifft aber nur dann zu, wenn zu viel oder unregelmäßig Kaffee getrunken wird. In Verbindung mit Alkohol ist Kaffee eine Trägemacherdroge. Wer mit einer Kanne seinen Kater bekämpfen will, gerät in eine kritische Balance: Wein, Bier oder Schnaps sorgen für einen Gemütsnebel, der Kaffee putscht auf. Die Folge ist eine Selbstüberschätzung, die vor allem im Straßenverkehr und bei manuellen Tätigkeiten gefährlich werden kann. Der Betreffende fühlt sich frisch und munter, aber Tests erwiesen, dass er enorm langsam ist und eine hohe Fehlerquote aufweist.
Koffein macht aus Zappelphilippen ruhige Leute. Neurologen empfehlen Migränegeplagten, direkt vor dem Zubettgehen einen Espresso zu schlürfen und gleich danach in den Schlaf zu gleiten. Kopfschmerzattacken treten meist in der Zeit zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens auf, Kaffee aber öffnet die Kopfadern und saugt mit Gefäßengstellungen die Migräne weg. Ältere Leute hatten oft berichtet, dass sie mit einem Kaffee die Nachtruhe einleiten und dass dieser dann wie eine Schlafkeule wirke. Zum sofortigen Schlafmodus kommt es aber nur 15 bis 20 Minuten nach dem Kaffeegenuss, darüber kann es dazu führen, dass eine schlaflose, unruhige Nacht folgt.
Maßvoll ist am besten
Kaffee kann selbst bei Depressionen hilfreich sein, allerdings dosiert. Niedrige Dosierungen bewahren vor Stimmungsschwankungen, hohe Dosierungen können Ängste auslösen und ein Stimmungstief verursachen. Psychiater sagen, bis zu vier Tassen Kaffee seien für einen Zeitgenossen mit Depressionsneigung in Ordnung, damit würde er sein Risiko um etwa 20 Prozent verringern.
Dass manche Menschen ausgesprochen gern das Bohnengetränk schlürfen und andere nur daran nippen, könnte mit einem Kaffeegeschmacksgen zusammenhängen. Die Veranlagung spielt also eine größere Rolle als die Gewohnheit, auch wenn noch nicht klar ist, welche Erbanlagen entscheidend sind. Eine Untersuchung der genetischen Profile von 47.000 Personen, vorgenommen durch die Harvard School of Public Health in Boston, ergab, dass das Kaffeegeschmacks-gen wohl in der Leber sitzt. Diesem Organ ist eincodiert, wie Koffein im Körper wirkt, wie viel er davon braucht und verträgt. Die Forscher empfehlen, maßvoll Kaffee zu trinken. Dann wird er zum Maß körpereigener positiver Reaktionen.