FRANKREICH: Der Halal-Burger nährt die Kritik

Halal-Burger hat Quick in Frankreich satte Gewinne beschert und soll verbreitet angeboten werden - Kritiker befürchten Diskriminierung von Nicht-Muslimen

Weil ihr islamisch statthafter Hamburger ein Verkaufsschlager ist, weitet die Schnellimbiss-Kette Quick das Angebot in Frankreich aus. Aus rein wirtschaftlichen Gründen, betont die Unternehmensleitung. Politiker fürchten jedoch Diskriminierung der Nicht-Muslime.

Von Birgit Holzer, Paris

Der Stein des Anstoßes kommt saftig und kalorienreich daher: ein Fleischklops mit Käse, Salatblatt und Tomatenscheibe in einem luftigen Brötchen. Doch die Burger, die die Schnellimbiss-Kette Quick in einigen seiner 358 französischen Filialen anbietet, sind nicht nur nahrhaft, sondern hoch politisch, enthalten sie doch nur islamisch statthaftes Halal-Fleisch. Während sich sonst in Frankreich die rund 5,5 Millionen Muslime oft diskriminiert fühlen, befürchten nun einige Lokalpolitiker Diskriminierung der Nicht-Muslime durch das Spezial-Angebot.

Halal-Markt hat riesiges Wachstumspotential

Von November bis Mai hatte die Fastfood-Kette, die in Belgien gegründet wurde und inzwischen französisch ist, einen Testlauf in acht ausgewählten Restaurants in Städten wie Marseille, Lyon und dem nordfranzösischen Roubaix gestartet, in denen sie Schweinefleisch mit Pute, Rind- oder Geflügel ersetzte, das nach islamischem Ritual hergestellt wurde. Ganz neu ist das nicht: Auch die amerikanische Imbiss-Kette Kentucky Fried Chicken bietet längst Halal-Produkte an und in Supermärkten nehmen sie ganze Regale ein. Der Halal-Markt macht in Frankreich 5,5 Milliarden Euro Umsatz im Jahr und hat ein Wachstumspotenzial von 20 Prozent.

„Öffnung für alle Kunden”

Doch Quick ließ den Kunden keine Wahl mehr. Das prangerte René Vandierendonck, Bürgermeister von Roubaix, als „Stigmatisierung” von Andersgläubigen an. Mit einer Klage hatte er zwar keinen Erfolg, doch nun bekommt die Debatte neuen Aufwind durch die Ankündigung von Quick-Chef Jacques-Edouard Charret, das Halal-Angebot auf weitere 14 Filialen in Frankreich auszuweiten. Die meisten von ihnen liegen in Vororten von Paris und haben einen hohen muslimischen Bevölkerungsanteil. Bislang ist dort der Konsum von Fischburgern hoch und von Schweinefleisch niedrig. Es handle sich um eine Öffnung für alle Kunden, die Entscheidung sei rein wirtschaftlich motiviert, sagt Charret: „Wir wollen ganz einfach Marktanteile gewinnen.” Quick ist der größte europäische Fastfood-Anbieter und unterhält Filialen in acht Ländern. Mit dem amerikanischen Konkurrenten McDonald`s kann er es aber nicht aufnehmen.

Quick konnte Verkäufe verdoppeln

Mit dem Halal-Burger hat er eine lukrative Nische aufgetan: In den acht Test-Restaurants verdoppelten sich die Verkäufe und die Kundenzahlen, das Personal wurde um ein Viertel aufgestockt. Warum auf einen solchen Verkaufsschlager verzichten, zumal er auch nicht-muslimische Kunden nicht störte? Vorsorglich verspricht Charret, bis 2011 auch in den 22 Halal-Filialen traditionelle Sandwiches anzubieten, die geliefert und nur noch erwärmt werden. Alkohol wird nach wie vor ausgeschenkt.

„Balkanisierung der Gesellschaft” befürchtet

Doch die Kritik bleibt nicht aus. Viel zu sensibel ist jedes Thema, das die Frage der Integration von Muslimen in die französische Gesellschaft berührt. Hinzu kommt, dass Quick der französischen Staatsbank Caisse des Dépots et Consignations gehört, also im Prinzip staatlich ist. Die meisten Bürgermeister der betroffenen Städte lehnen die Initiative ab. „Einzelne Viertel zu spezialisieren, widerspricht der Idee der sozialen Durchmischung”, sagt Roland Ries, sozialistisches Stadtoberhaupt von Straßburg. Der konservative Abgeordnete Jacques Myard warnt sogar vor einer „weiteren Balkanisierung und Ghettoisierung unserer Gesellschaft” und beruft sich auf das Prinzip der Laizität, der Trennung von Staat und Religion.
Auch von einer anderen Seite gibt es Schelte für Quick: Die ehemalige Schauspielerin und heutige Tierschutz-Aktivistin Brigitte Bardot lässt über ihre „Stiftung BB” ausrichten, indem Quick die rituelle Schlachtung und das Leid der durch Ausbluten sterbenden Tiere akzeptiere, mache es sich zum Komplizen einer wahren „Barbarei”.

Donnerstag, 02.09.2010