BERUF: Der erste Eindruck zählt

Stellenbewerber können mit professionellen Bewerbungsbildern punkten

Ein professionelles Bewerbungsbild gehört in der Schweiz zum Standard bei schriftlichen Bewerbungen. Dabei ist dieser erste Eindruck nicht zu unterschätzen und manchmal gar entscheidend. Umso wichtiger, dass man bereits hier punktet.

Von Anna Birkenmeier

In vielen Ländern wie Grossbritannien, USA oder im skandinavischen Raum geht es ohne Bewerbungsfoto. Anders bei in der Schweiz. Obschon das Foto hier nicht integraler Bestandteil einer Bewerbung ist, wird es in den meisten Unternehmen geschätzt.

Schöne Frauen haben es schwerer

Das hat für die Bewerber seine Tücken. Ein aktuelles israelisches Forschungsprojekt zeigt, dass ein Bild oftmals mehr Aussagekraft hat als das beste Bewerbungsschreiben. Laut diesen Forschungsergebnissen sollten schöne Frauen lieber auf Bewerbungsfotos verzichten, wenn sie eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten wollen. Bei diesem Projekt wurden 5.300 Lebensläufe für 2.650 offene Stellen verschickt - zwei für jedes Stellenangebot. Einmal wurde das Foto eines gut aussehenden Mannes oder einer schönen Frau auf den Lebenslauf geklebt, ein anderes Mal die Bilder von Personen mit durchschnittlichem Aussehen. Während die attraktiven Männer öfter als ihre durchschnittlichen männlichen Konkurrenten zum Gespräch eingeladen wurden, erging es den hübschen Frauen genau umgekehrt - sie erhielten seltener eine Einladung. Der Grund liegt wohl darin, dass es häufig Frauen sind, die Kandidaten für das Bewerbungsgespräch auswählten - und die bevorzugten attraktive Männer und weniger gut aussehende Frauen.

Foto als Blickfang

Ein Grund also, auf Bewerbungsfotos zu verzichten? Wohl eher nicht. Denn für die meisten Unternehmen zählt noch immer der erste visuelle Eindruck. Er entscheidet mit, ob ein Kandidat für ein Bewerbungsgespräch zugelassen wird. „ Man darf den ersten Eindruck des Bewerbungsbildes nicht unterschätzen. Wir sind Menschen. Wir können uns noch so Mühe geben, uns davon nicht beeinflussen zu lassen, es beeinflusst eben doch subjektiv”, erklärt Ruth Gygax von Ruth Gygax Human Resources in Zug. Umso mehr lohnt es sich, in ein gutes Foto zu investieren. „Es ist eine Tatsache, dass die Chance zu einem Gespräch eingeladen zu werden durch ein sympathisches Foto steigt”, weiss Gygax. Verzichtet man auf ein Bild, kann man zwar hoffen, dass fachliche Kompetenzen bei der Auswahl verstärkt ins Zentrum rücken. Gleichzeitig besteht aber die Gefahr, dass bildlose Schreiben in der Flut der Bewerbungen schneller übersehen werden und bereits im Vorfeld aussortiert werden. „Bilder stellen in der Flut der Bewerbungen oftmals einen ersten Blickfang dar und helfen seinem Gegenüber, sich ein Bild zu machen”, erklärt der Luzerner Fotograf Roman Beer. Dies bestätigt auch Denise Stadler, Mediensprecherin von Coop: „Wenn sich sehr viele Kandidaten auf eine ausgeschriebene Stelle bewerben, ist ein gut gemachtes Porträt-Foto ein Vorteil, da sich die Bewerbung dadurch von den übrigen abhebt. Ein Bild vermittelt einen persönlicheren Eindruck des Bewerbers. Die gesamte Bewerbung bleibt dadurch besser in Erinnerung.” Bei Swisscom wird zwar kein Bild verlangt, doch enthalten die meisten Bewerbungen ein Foto. Und auch Annina Merk, Mediensprecherin von Swisscom betont: „Ein sympathisches Foto ist sicherlich kein Nachteil.”

Bewerbungsbild zeigt Persönlichkeit

Im Bewerbungsbild liegt denn, neben einigen Tücken, auch eine Menge Potential. Denn das Bewerbungsfoto ist ein ausgezeichnetes Mittel um sich zu präsentieren. Über ein gelungenes Bewerbungsfoto kann man Eigenschaften wie Freundlichkeit, Offenheit und Motivation zum Ausdruck bringen. Oder seine Individualität zeigen. „Es gibt Personen, die sich mit der Kleidung bewusst vom üblichen Bild “abgrenzen” wollen, etwa mit Strickpullover anstatt mit Hemd. Für uns gilt in jedem Fall - der äussere Eindruck ist zwar wichtig, er darf aber nicht das einzige Kriterium sein”, so Lucia Oertle, Leiterin Personalgewinnung und -betreuung der Luzerner Kantonalbank AG.

Bitte professionell

Damit die Persönlichkeit jedoch optimal ins Zentrum gerückt wird, sollten die Fotos professionell gemacht werden. „Ein gutes Foto fällt aus der Fülle der Bewerbungen auf und man hinterlässt sicherlich einen besseren Eindruck als mit Bildern aus dem Automaten”, so Beer. Dies bestätigt auch Yvonne Stark, Personalchefin von Johnson & Johnson in Zug. „Ein Tipp von meiner Seite an die Bewerber ist, dass sie nur dann ein Foto beilegen, wenn dies professionell aussieht. Also aktuell sollte es sein, keine Ferienfotos, keine Automatenfotos- ansonsten lieber weglassen. Auch wenn eines in der Ausschreibung gefordert wird.” Auch Sibylle Umiker, Mediensprecherin von Emmi, sagt: „Die Anforderungen an ein Bewerbungsfoto sind relativ banal: Wir erwarten für die meisten Positionen kein professionelles Bild. Lediglich sollte es sich um ein Portraitfoto handeln, das weder als Freizeitfoto noch als Selbstaufnahme erkennbar ist. Selbstverständlich steigert aber ein professionelles Foto die Qualität der Bewerbung und hat somit sicher einen positiven Effekt auf den ersten Eindruck der Bewerbung.” Daneben empfiehlt Yvonne Stark, die Fotoauswahl vorgängig seinem Umfeld zu zeigen und entscheiden zu lassen, welches Foto beigelegt wird. Oft stellt sich heraus, dass sich der Bewerber selber anders sieht als er effektiv bei seinem Gegenüber wahrgenommen wird.

Kleider machen Leute

Ein wesentlicher Beitrag zum Bewerbungserfolg leistet auch eine angemessene Kleidung. „Man sollte sich so zeigen, wie man auch zum Vorstellungsgespräch erscheinen würde. Und natürlich der angestrebten Branche angepasst”, rät Beer. Für Verkaufs- und Führungspositionen empfiehlt sich für Herren Krawatte und Anzug, für die Damen Blazer. Für kreative oder handwerkliche Berufe, darf es weniger sein, das heisst ohne Krawatte, mit oder ohne Veston. Wenn ohne Veston, dann aber ein gepflegt wirkendes Hemd oder eine Bluse. „Und ganz wichtig: Lächeln! Der Leser soll sich angesprochen fühlen und gern mit dem Bewerber in Kontakt treten wollen. Ausserdem sollte das Foto in den Lebenslauf integriert sein, nicht separat verschickt”, so Gygax abschliessend.

Dienstag, 17.07.2012